E-Mails an die Leser: Wolfgang Bosbach

Verfasst am 29. März, 2009.
Kategorie: Neues aus Narragonien | Ein Kommentar

Lieber Wolfgang Bosbach,

Sie sind Ihres Zeichens stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und der erste Ansprechpartner für alle Journalisten, die mal wieder hören wollen, dass die CDU ihr "konservatives Profil" schärfen muss.

Jetzt haben Sie aber Ihr eigenes Profil geschleift, indem Sie abgelehnt haben, für das Amt des Oberbürgermeisters von Köln zu kandidieren. Als Grund gaben Sie der "Kölnischen Rundschau" gegenüber an:

"Das geht einfach nicht, weil meine Verpflichtungen einander ausschließen würden. Ich kann nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis für den Bundestag kandidieren und mich gleichzeitig um das Amt des Oberbürgermeisters von Köln bewerben. [...]
Ich habe doch schon jede Menge Wahlkampfauftritte im ganzen Bundesgebiet vereinbart, ich habe meine Verpflichtungen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Das kann ich nicht mit einer Kandidatur in Köln vereinbaren."

Sicher ist das der einzige Grund und nicht etwa, dass sich nach einer Umfrage bereits 50 Prozent der Kölner dafür ausgesprochen haben, den SPD-Kandidaten Jürgen Roters zum Oberbürgermeister zu wählen. Auch der Umstand, dass die CDU nach eben dieser Umfrage bei den Kommunalwahlen gerade mal 26,1 Prozent der Stimmen bekämen, während SPD und Grüne zusammen mit 54,7 Prozent rechnen dürfen, ist sicher nebensächlich.

Nein, Herr Bosbach, es liegt garantiert nur an Ihrem vollen Terminkalender, dass Sie die Kandidatur nicht wahrnehmen wollen. Wie können Sie auch gleichzeitig Oberbürgermeister von Köln und Bundestagsabgeordneter für den Rheinisch-Berischen Kreis sein. Da müssten Sie ja an zwei Orten gleichzeitig erscheinen.

Oder vielmehr an sechs, denn schließlich arbeiten Sie ja noch für eine Anwalts-Kanzlei in Bergisch-Gladbach, die Deutsche Beamten-Versicherung in Wiesbaden, die Deutsche Telekom in Bonn und die NOVA Allgemeine Versicherung in Hamburg, wie man der Liste ihrer Nebentätigkeiten entnehmen kann.

Da Sie Ihr Einkommen durch Nebentätigkeiten (wie die meisten Bundestagsabgeordneten) nirgendwo genau angeben, schätze ich es  anhand der Eckdaten mal relativ vorsichtig auf 15.000 Euro pro Monat. Dass man Ihnen da noch das Amt des Kölner Oberbürgermeister anbietet, klingt ja ein bisschen so, als würde man Sie für gierig halten.

Gut also, dass Sie darauf nicht eingegangen sind. Denn wie Sie auch messerscharft analysieren, wären Sie selbst für die Kandidatur völlig ungeeignet. Als Kriterien für einen Kandidaten nannten Sie nämlich:

"Erstens, der Kandidat muss über die CDU hinaus Strahlkraft besitzen. Zweitens, er muss bereit sein, sich voll auf die Verwaltung dieser großen Stadt mit ihrem riesigen Stadtwerkekonzern zu konzentrieren. Die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen muss der Kandidat mitbringen."

Über Ihre "fachlichen Voraussetzungen" kann man sich streiten, aber Strahlkraft besitzen Sie ja nicht einmal innerhalb der CDU. Es sei denn Sie würden diese an Ihrem Direktmandat festmachen, das Sie 2005 immerhin gegen einen namenlosen Studenten von den Jusos errungen haben, der an Ihrem messerscharfen, konservativen Profil sicher verzweifelt ist.

Mit besten Grüßen,

Christian Link.

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Kommentare

Ein Kommentar to “E-Mails an die Leser: Wolfgang Bosbach”

  1. Narragonien » E-Mails an die Leser: Steuerdaten-CD-Verkäufer | Satire aus dem Land der Narren am 07. Feb, 2010 um 19:48.

    [...] Wolfgang Bosbach [...]

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