Landtagswahl in Hessen: Kandidatencheck
Verfasst am 14. Dezember, 2008.
Kategorie: Neues aus Narragonien | Kommentar verfassen

Thorsten Schäfer-Gümbel gegen Roland Koch – Das Duell beginnt
Am Wochenende wurden die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des hessischen Ministerpräsidenten von ihren Parteien nominiert. Der Titelverteidiger Roland Koch erhielt dabei von seiner Partei ebenso wie das politische Leichtgewicht Thorsten Schäfer-Gümbel von derseinigen rund 97 Prozent der Stimmen. Narragonien.de stellt die beiden Rivalen in einem Kandidatencheck gegenüber.
Der Name:
Roland Kochs Name ist einfach zu umständlich. Nicht einmal Parteigenossen können ihn sich merken. Thorsten Schäfer-Gümbel dagegen ist aufgrund seines coolen Doppelnamens und seinem trendigen Spitznamen (TSG) in und um Hessen inzwischen schon bekannter als Jesus.
Das Image:
Thorsten Schäfer-Gümbel gilt als der sympathische Streber von nebenan, Roland Koch dagegen als der fiese Nachbar von oben drüber. Einige Hetzkampagnen in der Vergangenheit haben das Ansehen des amtierenden Landeschefs stark beschädigt. Manche Hessen kleben sogar ein Foto von seinem Gesicht an ihre Fenster und Wintergärten, damit keine Ausländer dagegenlaufen.
Das Wahlkampfmotto:
Die CDU bleibt mit ihrer Parole "In Zeiten wie diesen" ziemlich unverbindlich, sich aber treu: wieder bauen die Konservativen auf ein Klima der Angst, das ihnen Wähler sichern soll. Diesmal hat man dieses Klima sogar nicht einmal selber herbeigeredet.
Bei der SPD setzt man dagegen allein auf den Wiedererkennunngswert des Spitzenkandidaten: "Yes we Gümbel" rufen die Genossen und der erwidert: "Yo isch kann". Die Hoffnung der Sozialdemokraten: Wenn nur genügend Hessen bis zum 18. Januar 2009 erfahren, dass es die SPD immer noch gibt und sie mit einem eigenen Spitzenkandidaten an den Wahlen teilnimmt, wird sie die Fünf-Prozent-Hürde knacken.
So sieht er seinen Konkurrenten:
Für Schäfer-Gümbel ist Koch nach Angaben der Frankfurter Rundschau "der letzte Jünger des Neoliberalismus". Auch er hat Probleme mit dessen komplizierten Namen, nennt ihn daher manchmal "George W. Koch".
Roland Koch dagegen hat noch gar nicht gemerkt, dass er jetzt einen neuen Gegner hat. Wie die Frankfurter-Allgemeinen-Zeitung berichtet, hält er TSG wohl wegen seiner Brille für einen Grafiker:
Deren Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel sei von der Parteivorsitzenden Andrea Ypsilanti damit beauftragt worden, Wahlplakate zu gestalten.
Das Selbstbild der Kandidaten:
Roland Koch malt sein Selbstbildnis in schillernden Farben:
Zum pathetischen Schluss seiner Rede verglich sich der Ministerpräsident mit einem Handwerker, der das Haus wetterfest machen wolle. Er fügte hinzu, die Tür für alle Schutzsuchenden offenhalten zu wollen. Während draußen der Wind pfeife, sollten die drinnen aber nicht in romantischer Stimmung vergangene Zeiten aufleben lassen, sondern gemeinsam an einer guten Zukunft arbeiten, mahnte Koch.
Da passt es ganz gut, dass man ab nächstem Jahr Handwerkerrechnung besser absetzen kann. Hoffentlich betrifft das auch die Ausgaben, die durch Handwerker Koch und seine Rettungspläne in Millionenhöhe auf den hessischen Landeshaushalt zukommen.
Thorsten Schäfer-Gümbel hat dagegen noch keine Meinung von sich selbst gewinnen können. Dafür ist der einstige Hinterbänkler einfach noch nicht lange genug im Licht der Öffentlichkeit unterwegs .
Politische Inhalte:
Roland Koch will alles so belassen wie es ist: die Atomkraftwerke sollen in Biblis weiter Strom erzeugen, MIllionensubventionen für Unternehmen sollen die Managementfehler vergessen machen und die hessischen Schulen sollen wie immer Sozialschwache aussieben.
Thorsten Schäfer-Gümbel steht für den Wechsel: an den Atomkraftwerken sollen Solarenergiezellen angebracht werden, die Millionensubventionen sollen in die umweltfreundliche Industrie fließen und die sozialschwachen hessischen Schüler sollen zukünftig in einer Einheitsschule benachteiligt werden.
Ausblick:
Der Kampf um das Ministerpräsidentenamt in Hessen wird hart und das Ergebnis knapp. Aufgrund seiner Wahlkampferfahrung und heftigem Unterstützungsfeuer der Medien muss man aber davon ausgehen, dass Roland Koch am Ende zum Ministerpräsident gewählt wird. Vor allem sein cleverer Schachzug, diesmal nicht für Hass, sondern für Einigkeit zu stehen, führt ihn im Januar 2009 zum Sieg:

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